Ablauf einer Mediation

veröffentlicht am 24. Januar 2012

Eine Mediation setzt voraus, dass beide Parteien ihren Konflikt im Rahmen eines Mediationsverfahrens lösen wollen und sie sich auf einen Mediator geeinigt haben , der sie durch das Verfahren begleitet. Das Mediationsverfahren folgt einer gewissen Struktur, die man auch als Schritte bezeichnen kann:

  • Zielbestimmung für die Mediation
  • Themen notieren
  • Themen besprechen
  • Sichtweisen verstehen
  • Ideen sammeln
  • Lösungen finden
  • Lösungen überprüfen

1. Schritt: Zieldefinition
Sitzen alle Konfliktbeteiligten an einem Tisch, also wenigstens zwei Parteien und ein Mediator, ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer Lösung die Klärung, was genau das Ziel der Mediation sein soll. Dieses Ziel ist der rote Faden einer Mediation. Die Auftragsklärung könnte z.B. im Rahmen eines Kunden-Lieferanten-Konfliktes über angeblich verspätete Warenlieferungen lauten: „Wir wollen klären, wie wir die Lieferungsbedingungen im Vertrag verstehen und wie wir Verspätungen bei der Lieferung vermeiden können.“ Der Mediator behält dieses Ziel im Auge und fokussiert die Parteien während des gesamten Verfahrens immer wieder darauf, wenn sie sich in kleinen Auseinandersetzungen zu verlieren drohen. Schon am Ende dieser ersten Phase der Mediation erleben die Parteien oftmals mit großem Erstaunen, dass sie in der Lage sind, sich auf etwas einigen zu können.

2. Schritt:
Nun werden alle Themen gesammelt, die für die Parteien mit dem Auftrag zusammenhängen. Danach wird abgestimmt, in welcher Reihenfolge die Themen bearbeitet werden sollen. Da die zerstrittenen Parteien häufig nicht in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren, fällt ihnen diese Aufgabe oftmals sehr schwer. Hier dient der Mediator als neutraler Ansprechpartner, der beide Parteien in Kontakt zueinander bringt.

3. Schritt:
Die Themen werden in der festgelegten Reihenfolge besprochen. Der Mediator regt dabei beide Seiten durch reflektierende Fragen an, darüber nachzudenken, warum das Thema für sie von Bedeutung ist. Wichtig ist in dieser Phase, dass gegenseitig keine Wertungen des Gehörten, z. B. durch ironische Zwischenrufe oder negative Kommentare erfolgen. Der Mediator achtet darauf, dass die Konfliktgegner das vom Anderen Gesagte tatsächlich wahrnehmen (können). Besonders hier ist der Mediator sehr gefordert: Er muss die eingespielten Konfliktmuster der Parteien (Augenrollen, Wegschauen, ein leiser Zwischenkommentar) thematisieren, damit die Parteien sie durchbrechen können. Ansonsten kann der Inhalt des Gesagten vom Gegenüber nicht gehört und wahrgenommen werden. Ziel ist, dass die Parteien die unterschiedlichen Sichtweisen des Konflikts erkennen, ihn mit den Augen des Anderen sehen und dadurch die Gründe für das Handeln des Gegenübers verstehen können.

4. Schritt:
Wie gut es dem Mediator gelungen ist, eine Situation des gegenseitigen Vertrauens geschaffen zu haben, erweist sich, wenn beide Parteien es schaffen, die mit den Themen verbunden Gefühle zu schildern und diese gegenseitig auch nachzuempfinden. Da ihnen ihr eigenes Leiden an dem Konflikt und die damit zusammenhängenden Folgen häufig kaum bewusst sind, sind sie auch selten in der Lage, die Situation des anderen zu antizipieren. In dieser Phase der emotionalen Bewusstwerdung können Tränen der Erleichterung, Dankbarkeit, Rührung oder Scham fließen, weil alte Ängste oder andere verborgene Gefühle endlich ausgesprochen werden dürfen (und können).

5. Schritt:
Mithilfe des empathischen Verstehens werden die tieferen menschlichen Bedürfnisse, die zu den negativen Emotionen und zum Konfliktverhalten geführt haben, erkannt und anerkannt. Sie sind die Basis für die Suche nach neuen Lösungsmöglichkeiten und das Aushandeln der Lösungen, die von den Konfliktparteien gemeinsam bevorzugt werden.

6. Schritt
Sind neue Lösungen gesammelt, werden sie zunächst auf ihre Realisierbarkeit hin überprüft. Die für die alle Konfliktbeteiligen beste Lösung wird zum Inhalt einer abschließenden Vereinbarung, die schriftlich fixiert und von den Konfliktparteien unterzeichnet werden kann. Um mögliche rechtliche Mängel, die die Wirksamkeit der Vereinbarung gefährden könnten, zu vermeiden, können die Parteien die Vereinbarung vor Unterzeichnung von ihrem Rechtsanwalt überprüfen lassen.

7. Schritt
Je stärker die Mediation die Parteien zu gegenseitigem Verständnis geführt hat, desto größer ist die Chance, dass die gefundene Lösung tatsächlich umgesetzt wird. Um herauszufinden, ob sie im Alltag praktikabel ist, sollten sich die Parteien zwei bis drei Monate nach der Unterzeichnung noch einmal mit dem Mediator zusammenfinden, um über ihre Erfahrungen zu sprechen und die Vereinbarung – sollte sie sich nicht in allen Punkten bewährt haben – gegebenenfalls anzupassen. So bleibt das Vertrauen in den anderen, das durch die Mediation wiedergewonnen wurde und ihren Ausdruck in der Abschlussvereinbarung gefunden hat, stabil und haltbar für die Zukunft.

Leave your comment

Required.

Required. Not published.

If you have one.