ARD-Mediationsserie „Paul Kemp“ aus Sicht einer Mediatorin

veröffentlicht am 8. Juli 2014

Wie es die Amerikaner machen, wissen wir aus „Fairly Legal“, jetzt hat das deutsche Fernsehen nachgelegt. Wie das ORF/ARD dem Fernsehzuschauer den Beruf des Mediators vermittelt, war meine Leitfrage, als ich mir die erste Folge von „Paul Kemp – Alles kein Problem“ angesehen habe.

Ähnlich wie bei der US-Serie wurde das Format „Komödie“ ausgewählt, die Figur Paul Kemp soll in seinem Beruf brilliant sein, aber privat nichts auf die Reihe bekommen. Das ist das Leitthema der Serie. Nun denn…

In der ersten Mediation der Serie geht es um

einen drohenden Schmerzensgeldprozess eines Krankenhauses durch eine missglückte Operation. Ganz richtig erkennt die Krankenhauschefin, die den beiden Operateuren die zwingende Notwendigkeit einer Mediation erläutert, „Wir brauchen eine außergerichtliche Einigung. Wenn diese Frau vor Gericht geht, dann gute Nacht!“ Die Angst vor schlechter Publicity durch öffentliche Gerichtsprozesse ist für viele Unternehmen DAS Argument für ein Mediationsverfahren. Die absolute Diskretion eines Mediationsverfahren kann unnötige Aufmerksamkeit durch Dritte verhindern. Aber zurück zur Serie…

Auf dem Krankenhausflur trifft Paul Kemp die Mediationspartei und ihren Anwalt. Das übliche Anwaltsklischee „Anwälte halten Mediation für Zeitverschwendung und nehmen sie nicht als sinnvolle, gleichwertige Alternative zum Klageweg wahr“ wird sogleich bedient. Der Rechtsanwalt macht Paul Kemp deutlich, dass diese „Meditation“ absolut überflüssig und die Klageschrift quasi schon geschrieben sei. (Ob das hilft, die Fronten zwischen den beiden Professionen aufzuweichen, wage ich zu bezweifeln.)

Die sich daran anschließende Mediation dauert etwa 5 Minuten, das ist enorm und fernab jeglicher Realität. Paul Kemp erkennt sofort, dass hinter der Schmerzensgeldklage das Bedürfnis nach Respekt und Wertschätzung steckt, das durch die Operateure verletzt worden ist, als sie während der Operation die Patientin beleidigten, die durch eine falsche Narkose bei vollem Bewusstsein war. Bedürfnis erkannt, Fall gelöst, so stellt sich das für den Zuschauer dar. In der Realität durchlaufen die Parteien oftmals einen langen Erkenntnisprozess, bevor sie zu diesem Ergebnis kommen oder diese Wahrheit für sich selbst zulassen können.

Ab und zu bin ich beim Gucken auch ein wenig neidisch geworden auf den Mediator Kemp, der sich vor Aufträgen kaum retten kann und bei dem ständig das Telefon klingelt. Aber so ein Fernsehformat hilft hoffentlich den Mediatoren da draußen, die dargestellte riesige Nachfrage Realität werden zu lassen…

Am Ende muss ich aber eine echte negative Kritik doch noch erwähnen. Paul Kemp und sein Mediatorkollege sind am Abend im Gespräch, es geht um die Eheprobleme von Paul. Auf eine Frage seines Kollegen antwortet Paul: „Du bist der Mediator, Du musst wissen, wie ich mein Problem löse!“ Na schön wär’s! Wenn ich wüsste, wie andere Leute ihre Probleme lösen, wäre ich nicht Mediator, sondern Schlichter oder Richter! Da sollte Herr Kemp nochmal wiederholen, was den Unterschied zwischen diesen beiden Betätigungsfeldern ausmacht. Wie hätte der Satz korrekt gelautet? Paul Kemp hätte eigentlich sagen müssen: „Du bist der Mediator, Du musst wissen, wie Du mich dazu bringst, dass ich mein Problem lösen kann!“