Bohren, hämmern, schrauben – Wir basteln uns eine Konfliktlösung!

veröffentlicht am 18. Januar 2010

Ob wir Kuchen backen, Toaster reparieren oder Pullis stricken – das Ergebnis fühlt sich gut an. Wir sind stolz auf die eigene Leistung, empfinden Befriedigung und haben eine besondere Beziehung zu unserem Produkt. Denn: Wir haben etwas aus eigener Kraft und nach unseren Vorstellungen erreicht. Dazu gilt es oft, die Angst vor dem Scheitern zu überwinden, ehe wir uns der eigentlichen Aufgabe widmen. Nicht nur Mut, auch Kreativität ist gefragt, um eigene Lösungen zu finden. Den Erfolg werden wir umso positiver wahrnehmen, je größer unsere Zweifel zu Beginn waren.

Dieser Wunsch nach Erfolgserlebnissen bei sinnvollen, aktiven Tätigkeiten hat auch das Fernsehen längst erkannt und wartet mit zahlreichen Koch- und Heimwerkersendungen auf. Gigantische Baumärkte vermitteln uns, dass es für jedes Problem die passende Lösung gibt – Spezialwerkzeuge, Flüssigtapeten und Heimsaunas im Bausatz gehen weg wie warme Semmeln. Verstärkt wird die Lust am Selber machen durch die angespannte Wirtschaftslage, wie eine im Dezember 2008 im Auftrag der Robert Bosch GmbH durchgeführte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zeigt: 73 Prozent der Befragten führen aufgrund finanzieller Unsicherheit Handwerksarbeiten selbst aus und bewerkstelligen kleinere Reparaturen und Dekorationen, aber auch umfangreichere Renovierungen zunehmend in Eigenregie. Der Grund: Selber machen spart Geld.

Das Bedürfnis, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, hat jedoch nicht alle Lebensbereiche erreicht: Beim Streiten lieben es die Deutschen immer noch bequem; Konflikte sollen andere für sie lösen. Sie engagieren bereitwillig Rechtsanwälte, bezahlen teure Sachverständige und führen zermürbende Rechtsstreite oft über lange Jahre hinweg, nicht selten teuer und ergebnislos. Fällt das Ergebnis nicht wunschgemäß aus, wird der Richter verantwortlich gemacht.

Dabei gibt es längst auch für Konflikte eine befriedigende und effiziente Möglichkeit, aus eigener Kraft zu einer Lösung zu kommen: Selber machen ist besser! Unterstützt von einem spezialisierten Berater, einem Mediator, können streitende Parteien ihre eigene individuelle Lösung finden. In einer Mediation – der Vermittlung mithilfe eines neutralen Dritten – kann jedes Thema in jeder Konstellation bearbeitet werden.

Aufgabe eines Mediators ist, dafür zu sorgen, dass jede Konfliktpartei Gehör findet und ihre Interessen darlegt. Zuerst wird daher besprochen, was das konkrete Ziel der Beratung sein soll. Anschließend werden alle damit zusammenhängenden Themen aufgelistet und erörtert. Jeder soll seine Gedanken für eine zufriedenstellende Lösung unterbreiten. Wenn jeder Beteiligte verstanden hat, welche Absichten sich hinter dem bisherigen Handeln des anderen verbargen, fällt es oftmals leichter, Lösungen zu entwickeln, die alle zufrieden stellen.

Finden die neuen Ideen bei allen Zustimmung, arbeitet der Mediator mit den Parteien eine Vereinbarung aus, die alle unterzeichnen. Bevor dies geschieht, sollten die Beteiligten diese von einem Rechtsanwalt überprüfen lassen, ob sie den gesetzlichen Normen entspricht. Denn: Auch beim Hausbau bescheinigt der Statiker die Tragfähigkeit der Konstruktion, nicht der Zimmermann. Etwa zwei Monate nach Unterzeichnung der Vereinbarung wird in einer abschließenden Sitzung überprüft, ob das Vereinbarte realisiert wird oder ob es modifiziert werden sollte.

In Streitigkeiten, bei denen es um Werte ab 5.000 € geht, ist Mediation äußerst kostengünstig. Ob Nachbarn, Familien, Kollegen oder Unternehmen miteinander im Clinch sind – wichtig ist am Ende, dass alle Konfliktparteien mit den gefundenen Lösungen einverstanden sind. Dabei gilt: Je größer die Zufriedenheit, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich alle Beteiligten an die Vereinbarung halten.

Zudem ist die Konfliktlösung mit Mediator schneller als der Gang vor Gericht. In der Regel werden für eine Mediation drei bis sechs Termine von ein- bis dreistündiger Dauer benötigt, bevor die Abschlussvereinbarung formuliert und unterzeichnet werden kann.

Vor allem aber ist Mediation nachhaltig: Nur sie bietet allen Beteiligten Raum, über ihre Beweggründe zu sprechen und Missverständnisse aufzuklären, die zu dem Konflikt führten. Auf dieser Grundlage können im Mediationsverfahren einverständliche Lösungen entwickelt werden, die ein weiteres Miteinander ermöglichen.

One comment

Sehr schöne geschriebener Text der das Thema gut umreißt. Dankeschön!

veröffentlicht am 25. Februar 2010. Antworten #

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