Der große Unterschied zwischen gerichtlichem Vergleich und Mediationsverfahren

veröffentlicht am 19. Juni 2014

Im Rahmen einer Kündigungsschutzklage schließen Kläger und Beklagter einen Vergleich über 55.000 EUR. Der Beklagter überweist zwei Wochen später. Im Anschluss daran geraten die Parteien erneut in Streit, diesmal um die bis zur Zahlung entstandenen Verzugszinsen. Der Kläger erhebt Klage auf Zahlung der Zinsen in Höhe von 190,67 EUR, die innerhalb des Zeitraums vom Vergleichsschluss bis zur Bezahlung entstanden sind. Der Kläger hat Erfolg, allerdings lässt das Gericht gegen das Urteil ausdrücklich die Berufung zu. (ArbG Freiburg (Breisgau) 3. Kammer, Urteil v. 4.7.09, 3 Ca 263/08)
Das Beispiel aus dem gerichtlichen Alltag zeigt, dass uns unsere Emotionen nicht ruhen lassen, bis sie gehört worden sind, selbst wenn wir ein objektiv gutes Ergebnis erreicht haben. Weil der Kläger noch eine „Rechnung offen” hatte, die durch den Vergleich nicht beglichen werden konnte, musste sein Rechtsanwalt stellvertretend für ihn erneut in den Ring steigen, dessen Ergebnis rein logisch den Aufwand nicht gerechtfertigt haben dürfte.
Ein gerichtlicher Vergleich

wird von den Konfliktbeteiligten selten positiv bewertet. Grund dafür ist, dass Ihnen die eigentlich vom Richter erhoffte Antwort auf die Frage „Wer hat Recht, wer Unrecht? Wer ist schuld?“, versagt bleibt. Mit dem Vergleich gibt es keine Gewinner und Verlierer, niemand “obsiegt” über den Anderen. Stattdessen “einigt” man sich aus Gründen der Vernunft auf ein Ergebnis. Die Beziehungsebene des Konflikts wird dadurch jedoch nicht geklärt und bleibt außen vor. Trotz Vergleichs bleiben Wut, Ärger, Zorn und alle anderen Gefühle für den Gegner bestehen und suchen nach einem Weg, gehört zu werden.
Der Vergleich kann alle Konfliktthemen regeln, die die sachliche Ebene betreffen, und so ein wirtschaftlich gutes Ergebnis für beide Parteien bedeuten. Dennoch ist er in vielen Fällen nicht das optimale Ergebnis, um den Konflikt zu beenden. Erst wenn auch die mit den Sachthemen verbundenen Emotionen gesagt und verstanden worden sind, werden die Streitparteien mit dem Ergebnis ihren Frieden machen können. Und das vermag eine Mediation.