„Fairly Legal“: Eindrücke einer Mediatorin

veröffentlicht am 10. Oktober 2013

Von der neuen amerikanischen Fernsehserie „Fairly Legal“, die seit dem 11.9.13 um 21.15 Uhr auf VOX läuft, sind mittlerweile einige Folgen gelaufen. Die ersten zwei habe ich mir aus beruflichem Interesse angesehen. Um es vorweg zu nehmen: Ich habe zu sämtlichen Fernsehformaten, die die Idee und den Begriff „Mediation“ in die deutschen Wohnzimmer tragen, eine positive Einstellung. Das gilt auch für die Serie über die chaotisch-schusselige Mediatorin Kate Reed, die nach Ally-Mc-Beal-Art durch ihr Leben und die Anwaltskanzlei Ihres frisch verstorbenen Vaters stöckelt, auf dessen Boot sie lebt. Mit dem Coffee-to-go in der einen und dem Handy in der anderen Hand eilt Sie von einem Mediationstermin zum nächsten.

Positiv finde ich an der Serie, dass Sie ein großes Spektrum an Fällen zeigt, die im Rahmen einer Mediation bearbeitet werden können. In der ersten Folge ging es um die Konditionen einer Unternehmensnachfolge, die den Deal zu platzen lassen drohten. Nebenbei mediierte Miss Reed zwischen einem zukünftigen Ehepaar. Diesen Fall hatte sie vom Gericht übertragen bekommen, das dazu eine Frist setzte, bis wann der Fall gelöst sein sollte! (Ob dies eine echte Möglichkeit der amerikanischen Justiz in Zusammenarbeit mit Mediatoren ist, weiß ich leider nicht.) In der zweiten Folge ging es um den Entschädigungsanspruch eines 22 Jahre unschuldig inhaftierten Mannes, der nun gegen die Stadt vorgehen will. Miss Reed erkennt sofort, wie peinlich eine Niederlage vor Gericht für die Staatsanwaltschaft werden könnte. Jeder Partei hat also einen guten Grund, dem Mediationsverfahren zuzustimmen und „jeder von Ihnen gewinnt durch die Mediation“, ermuntert Kate Reed die Parteien beim ersten Termin. Als der Anwalt des Verurteilten anfangen will, zu reden, unterbricht sie ihn und sagt: „Das hier ist kein Gericht, er kann für sich selbst sprechen!“

Die Serie vermittelt Grundsätze eines Mediationsverfahrens, wie sie in einer Mediationsausbildung gelehrt werden und nach denen Mediatoren arbeiten. Die Begriffe „Mediation“, „Mediatorin“, etc. werden häufig benutzt, auch das finde ich gut, um den Begriff weiter in der Bevölkerung zu verankern.

Über die negativen Seiten haben sich die Journalisten des Feuilletons bereits ausgelassen, so dass ich das hier an dieser Stelle nicht auch noch tun muss. Dass die Journalisten auch noch nicht wissen, was ein Mediator tut, zeigt die Rezension der F.A.Z. vom 10.9.13. Dort heißt es u.a.: „(…) „Fairly Legal“ präsentiert eine sogenannte Mediatorin, das klingt nach Therapie und ist es letztlich auch: Kate Reed, ehemalige Anwältin, vermittelt bei Streitfällen, damit sie nicht vor dem Richter landen. (…)“

Enden möchte ich meine Rezension aus Mediatorensicht mit einem schönen Zitat aus dem „Harvard-Konzept“, das der Regisseur in der ersten Folge eingebaut hat und das mir nicht entgangen ist: Als Kate Reed das zerstrittene Ehepaar nach mehreren Stunden des Zeterns und Streitens wieder im Besprechungsraum besucht, liegt vor der zukünftigen Braut auf dem Konferenztisch eine gepellte Orange und viele kleine Schalenstückchen. (Anhand des Streits zweier Schwestern um eine Orange erklärt „Das Harvard-Konzept“ das Konzept der Mediation. Wenn Sie die Geschichte nicht kennen, lesen Sie HIER weiter!)

One comment

[…] Wiese hat in Ihrem Blog die versprochene Rezension zu Fairly Legal […]

veröffentlicht am 13. Oktober 2013. Antworten #

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