Warum in Deutschland Mediation im Baurecht sinnvoll ist

veröffentlicht am 17. September 2014

Im Spiegel-Interview der Ausgabe 24/2013 nennen die drei derzeit in Deutschland bekanntesten Architekten Pierre De Meuron (Elbhilharmonie), Christoph Ingenhoven (“Stuttgart 21″) und Meinhard von Gerkan (Berliner Großflughafen BER) wichtige Gründe für den Vorteil von Mediationsverfahren bei Streitigkeiten im Zusammenhang mit Großprojekten:

(S. 113, 3. Spalte)

De Meuron: „Was es (den Bau der Elbhilharmonie, Anm. d. Autorin) völlig unnötigerweise teuer macht, ist die Juristerei und alles, was daraus folgt, Zeitverzögerungen, Projektstreitigkeiten und sogar Stillstand haben maßgeblich dazu beigetragen, dass der Preis in dieser Größenordnung (damals 865 Mio. EUR, Anm. d. Autorin) angekommen ist.“

(S. 122, 3. Spalte)

Spiegel: „Das heißt also, Sie (Ingenhoven, Anm. d. Autorin) halten es für völlig normal, dass auf Baustellen nichts klappt? (…)“
Ingenhoven: „(…) Sie können das gar nicht ohne Fehler und Schwierigkeiten machen. Der Fehler ist, dass man das nicht kommuniziert und dass man es nicht gemeinsam angeht, sondern gegeneinanderarbeitet.

(S. 122, 3. Spalte)

De Meuron: „(…) Wenn beim Bauen aber jeder nur seine eigenen Interessen vertritt, kommt es zu Eskalation.
Spiegel: „Diese Haltung ist in Deutschland ausgeprägt?“
Ingenhoven: „Ich glaube, dieses Land zahlt einen hohen Preis für seinen Erfolg. Und das zeigt sich im Zwischenmenschlichen und im Geschäftsgebahren, das daraus resultiert. Wir haben viel in Australien und in den USA gebaut. Das sind bestimmt nicht alles Weicheier dort, aber ich sage Ihnen: Der gegenseitige Respekt ist da deutlich größer. (…)“
De Meuron: „Es ist aggressiver in Deutschland. Man kann das auch an der Anwaltsdichte messen. Ich kenne keine härteren Vertragspartner als die Chinesen, aber die haben immer noch ihren Konfuzius im Hintergrund und wollen, dass der Ton freundlich bleibt. Wir hatten in Asien nach Vertragsabschlüssen nie mehr mit einem Anwalt zu tun.“

Und mit dieser Aussage schließt sich der Kreis zum ersten Zitat. Je mehr Anwälte in ein Großprojekt involviert sind, desto mehr Missverständnisse gibt es und desto länger dauert es, diese beizulegen. Würden sich die Beteiligten eigenverantwortlich um eine Beilegung der Missverständnisse bemühen, wäre das deutlich zielführender. (Das gesamte Interview “Versaute Verhältnisse” können Sie HIER nachlesen.)

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