Was ist provokative Therapie?

veröffentlicht am 7. Januar 2013

Die provokative Therapie (provocative therapy) wurde zu Beginn der 1970er Jahre von dem amerikanischen Psychotherapeuten Frank Farrelly für die einzel- und gruppentherapeuthische Arbeit entwickelt. Die Grundhaltung die der provokative Therapeut gegenüber seinen Patienten einnimmt, lässt sich durchaus auch in der Arbeit mit Konfliktparteien in Mediationen oder in der Einzelarbeit im Coaching einsetzen.
Die provokative Therapie setzt auf Humor und befreiendes Lachen als Übermittler für die Botschaften des Therapeuten. Der Ausdruck der Gegenübertragungsgefühle des Therapeuten ist für den Patienten hilfreich, selbst wenn es sich um tabuisierte Gefühle handelt. Der Patient wird in der provokativen Therapie nicht als bedauernswertes Opfer behandelt, sondern wie ein Bekannter oder Freund, der auch einmal ein offenes Wort vertragen kann.
Fundament für diese Methode ist eine gute Beziehung zum Medianten! Die Medianten müssen ein grundlegendes Gefühl dafür bekommen, dass der Mediator Ihnen wohlgesonnen ist und Ihnen seine unbedingte positive Aufmerksamkeit zukommen lässt. In dieser Hinsicht sind es hauptsächlich die nichtsprachlichen Zeichen denn die sprachlichen, die diese Basis herstellen. Eine positive Beziehung baut der provokative Therapeut durch Humor (sprachlicher Anteil), Berührung und Mimik (nichtsprachlicher Anteil) auf. Auch der Mediator kann mit harten und konfrontierenden Worten negatives Verhalten oder kontraproduktive Äußerungen der Parteien aufs Korn nehmen, wenn seine Beziehung zu den Parteien von guter Qualität ist.
Die Rolle des provokativen Therapeuten ist die des Teufels Advokat. Auch der Mediator kann diese Rolle einnehmen, indem er die Parteien dazu drängt, ihr negatives Verhalten, das in den Konflikt geführt hat, mit „guten“ und einleuchtenden Gründen fortzusetzen. Er übernimmt den negativen Part bei der Lösungssuche, um die Parteien dadurch zu provozieren, den vernünftigen, geraden Teil des Gesprächs zu übernehmen.
Im Konflikt neigen Menschen dazu, nur das wahrzunehmen und auf das zu reagieren, was sie an Schlechtem, Negativem und Verletztem erlebt haben. In dem der Mediator bewusst diese negativen Seiten thematisiert und ausschmückt, versucht er die Parteien dazu zu provozieren, konkrete, besondere Ereignisse und Erfahrungen zu benennen und sich schließlich genausoviel Zeit für die positiven und glücklichen Erfahrungen zu nehmen. In der Therapie können die meisten Patienten schließlich anerkennen, dass sie Erfolge hatten oder Probleme bewältigt haben und zwar in einem weit höheren Maße, als sie zuerst bereit waren, zuzugeben.
Eine Annahme dieser Methode ist, dass sich Menschen verändern, wenn sie vor eine Herausforderung gestellt werden, die sie zu meistern gezwungen werden und die sie nicht umgehen können. Diese Veränderung kann beschleunigt werden, wenn zur Herausforderung gleichzeitig sogenannter „konstruktiver Ärger“ über sich selbst kommt. Der Therapeut fordert den Patienten also maßvoll heraus, um ihn zu provozieren, neue Verhaltensmuster zu benutzen. Ein Ärger im Sinne von „Ich habe mich gründlich satt, und ich muss mich ändern!“ bewegt den Patienten zu einer Entscheidung, selbstbestimmt eine Entscheidung zu treffen, Veränderungen für sich zu treffen.

Leave your comment

Required.

Required. Not published.

If you have one.