7 Argumente für Mediation zum Auswendiglernen

Die Vorweihnachtszeit und das damit verbundene Jahresende lassen Menschen über das Vergangene Revue passieren. Sie denken auch darüber nach, was im nächsten Jahr besser sein sollte. Konflikte zu beenden und Ärger zu vermeiden sind attraktive Motivatoren, die Ihr Gegenüber dazu bewegen könnte, es statt wie üblich mit dem Rechtsweg im neuen Jahr mal mit einer alternativen Konfliktlösung zu versuchen. Hier sind sieben Argumente für Mediatoren zum Auswendiglernen und im passenden Moment aus dem Ärmel schütteln, wenn das Gesprächsthema beim nächsten Weihnachtsmarktbesuch, der Weihnachtsfeier oder anderen Jahresendanlässen auf Konflikte, Gericht, Kosten, Ärger, Nerven schonen etc. kommt:

  • Sie sparen Geld.
  • Sie behalten Ihre Autonomie.
  • Sie bekommen tragfähige Lösungen.
  • Ihre persönlichen Interessen werden bei der Lösung berücksichtigt.
  • Ihr Konflikt bleibt vertraulich.
  • Sie sparen Zeit. (Die durchschnittliche Dauer eines streitigen, erstinstanzlichen Zivilgerichtsverfahrens in Deutschland in Tagen in 2013: 192)
  • Ihre Beziehung zum Konfliktgegner bleibt erhalten.

Musik für Mediation und Coaching: Track 1

Wie mit der Storytelling-Methode sind Liedtexte ein eleganter Weg, zum Nachdenken anzuregen, ohne direkt zu lenken. Durch die Melodie wird der auditive Kanal auf andere Weise als durch das gesprochene Wort gefordert. Dadurch wird die Aufmerksamkeit auf die Inhaltsbedeutung erhöht. Coaches, Mediatoren und Trainer können sich Musik zunutze machen, um die Nachhaltigkeit Ihrer Interventionen zu sichern. Wer schon einmal einen Ohrwurm hatte, weiß um die Macht von eingängigen Tonfolgen. Ich kann mich heute noch an eine Chemiestunde zu Schulzeiten erinnern, die damit begann, dass der Referendar uns den Song „Alkohol“ von Herbert Grönemeyer vorspielte!
 
Mit diesem Blog möchte ich dazu inspirieren, Tracklists von Songs anzulegen, die sich für Mediationen, Coachings oder Trainings einsetzen lassen. Die Lieder können in Mediationen als Überraschungsmoment die Aufmerksamkeit erhöhen und so Kommunikationsschleifen unterbrechen. In Coachings lassen Sie sich ebenso gut einsetzen, z.B. als Hausaufgabe zum Zuhause nachhören (geht natürlich auch mit dem passenden Musikvideo). Und wäre es nicht sehr elegant, für die Pausen in einem Training eine besondere Tracklist zu haben, deren Songs alle zum Thema passen?

„Deine Zeit“ (Seeed)

Lieder in der Muttersprache gehen ohne gedankliche Übersetzungsleistung direkt ins Ohr und ins Herz des Hörenden, deshalb habe ich als ersten Song ein Lied von der Berliner Band „Seeed“ ausgewählt. Das Lied thematisiert die Eigenverantwortlichkeit eines Jeden, und ist deshalb wie ich finde ideal für Coachings und Mediationen geeignet. Der Refrain lautet:

Das Licht geht an, der Thron ist leer
keiner kommt und teilt das Meer
niemand sagt uns wie es geht
niemand weiß den geraden Weg
doch diese Zeit ist Deine Zeit!
Und Du meinst, Du seist noch nicht so weit
doch jeder Tag ruft Deinen Namen
und Du weißt, Du hast keine Wahl


 
Welche Songs gehören noch in diese Tracklist? Ich freue mich über Songmaterial!

Mediationsfundstück: Der Schlangenabguss im Tierpark Hagenbeck

Da ich von der Konfliktlösungsmethode Mediation absolut überzeugt bin, begleiten mich ihre Kommunikationsprinzipien und -werkzeuge ständig in meinem beruflichen und privaten Alltag. Als „selbst-und-ständige“ Mediatorin mache ich in meinem täglichen Leben manchmal Entdeckungen, die durch den Einsatz einer Mediatorin vielleicht anders gelaufen wären oder die eines der typischen Beispiele sind, bei denen eine Mediation auch nichts mehr hätte ausrichten können. Bei einem Ausflug mit meiner Tochter in den Tierpark Hagenbeck z.B. entdeckte ich ein wunderbares Symbol für den schlimmsten Ausgang, den ein Konflikt nehmen kann, die Vernichtung des Gegners unter Inkaufnahme des eigenen Untergangs. Nach der Einstufung auf dem Konfliktstufenmodell nach Glasl wäre das Stufe 9. (Über das Konfliktstufenmodell berichte ich demnächst hier ausführlicher.) Dort befindet sich am Steinbockfelsen eine Plastik zweier ineinander verbissener Schlangen. Auf der darunter angebrachten Plakette steht:

NATURABGUSS ZWEIER RIESENSCHLANGEN, die sich im Tierpark in der Nacht vom 25. bis 26. August 1909 aus Fressgier um den Kadaver eines Schwanes so ineinander verbissen, dass sie unfähig waren, sich wieder loszulassen. Bei dem Kampf wühlten sich die Schlangen in das Bassin ihres Behälters und ertranken.

Auch wenn das tierische Beispiel natürlich in Bezug auf menschliche Konflikte ein wenig hinkt, geht es doch auch hier um unerfüllte Bedürfnisse, die auch Menschen umso irrationaler handeln lassen, je existenzbedrohender der Angriff des Gegners auf sie wirkt. Ich habe das Bild in meine Fotogalerie aufgenommen um es für Vorträge oder Seminare einzusetzen. Ich finde es sehr eindrucksvoll!

Papa Hipp geht in den Ruhestand

Konfliktpotential Generationenwechsel vorbeugen

Hipp ist ein Familienunternehmen und stolz darauf. Im TV-Spot spricht Unternehmenschef Claus Hipp höchstpersönlich den Hipp-Slogan: „Dafür stehe ich mit meinem Namen.“ Doch nun sehen die Zuschauer seit kurzem auf dem Bildschirm neben ihm noch einen zweiten Mann stehen. Stefan Hipp, Sohn von Claus Hipp, ist in die Geschäftsführung aufgestiegen. Ein Generationenwechsel steht an.
 
Der Wechsel in der (Unternehmens)führung verändert bestehende Strukturen. Bei Familienunternehmen verändern sich dann nicht nur die betrieblichen, sondern auch die familiären Rollen. Die Funktion der Elterngeneration, Wissen und Erfahrung an die Jüngeren zu vermitteln, endet. Dies kann sich auch auf die familiäre Rolle übertragen und ein Gefühl der Nutzlosigkeit und Entbehrlichkeit bei den Eltern auslösen. Um sich davor zu schützen wird der notwendige Generationswechsel so lange wie möglich hinausgeschoben und verdrängt. Die Kinder reagieren auf das Festklammern am Chefsessel mit Enttäuschung und Wut gegenüber den Eltern, ihnen die Führungsrolle nicht zuzutrauen. Dadurch fühlen sich die Älteren darin bestätigt, die Kinder seien noch nicht in der Lage, die Führungsrolle zu übernehmen. Ein Teufelskreis, das dem Unternehmen erheblich schaden kann. Sowohl das Unternehmen als auch der Familienverbund sollte sich deshalb frühzeitig mit dem Thema Generationswechsel auseinandersetzen. Welche gegenseitigen Erwartungen haben Eltern und Kinder aus ihrer Unternehmerrolle und als Familienteile aneinander? Welche Werte sind dem Senior wichtig, die die Filia-Chefin weiterleben sollte? Kann/soll/darf die Mutter noch eine Funktion im Unternehmen ausfüllen? Bei der Verständigung über die Art und Weise der Nachfolge ist die Begleitung durch einen Mediator ratsam. Er trägt z.B. dazu bei, alte Kommunikationsmuster und Diskussionsschleifen zu durchbrechen und regt die Beteiligten an, sich mit ihren Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Mit seiner Unterstützung können diskret neue Lösungen gefunden werden, die alle Beteiligten mittragen wollen.
 
Bei Claus Hipp stehen die Chancen auf eine reibungslose Veränderung sehr gut. Im Interview mit der Zeit vom 27.8.2015 nennt er drei wichtige Faktoren für einen gut gelingenden Generationswechsel: Es herrsche eine ehrliche Kommunikation zwischen ihm und seinen Söhnen, er empfinde Freude an der Abgabe der Führungsverantwortung und beide Generationen teilen dieselben Unternehmenswerte.

VSBG – Die Stellungnahmen zum aktuellen Referentenentwurf

Der aktuelle Entwurf eines Verbraucherstreitbeilegungsgesetzes liegt seit November 2014 vor. Mittlerweile haben bereits zahlreiche Interessenverbände eine Stellungnahme abgegeben. (Hier finden Sie alle aktuellen Stellungnahmen.) So auch der Bundesverband Mediation. Er befürchtet, dass durch die derzeitige Formulierung des Gesetzes die alternative Streitbeilegung auf ein vereinfachtes Rechtsschutzverfahren reduziert würde. Die EU-Richtlinie beziehe sich allerdings ausdrücklich auf alle Arten der alternativen Streitbeilegung. Außerdem sieht er die Gefahr, dass in der Bevölkerung der Eindruck entstünde, das vor den Streitbeilegungsstellen durchgeführte Verfahren sei „Mediation“, was so nicht stimme.