Papa Hipp geht in den Ruhestand

Konfliktpotential Generationenwechsel vorbeugen

Hipp ist ein Familienunternehmen und stolz darauf. Im TV-Spot spricht Unternehmenschef Claus Hipp höchstpersönlich den Hipp-Slogan: „Dafür stehe ich mit meinem Namen.“ Doch nun sehen die Zuschauer seit kurzem auf dem Bildschirm neben ihm noch einen zweiten Mann stehen. Stefan Hipp, Sohn von Claus Hipp, ist in die Geschäftsführung aufgestiegen. Ein Generationenwechsel steht an.
 
Der Wechsel in der (Unternehmens)führung verändert bestehende Strukturen. Bei Familienunternehmen verändern sich dann nicht nur die betrieblichen, sondern auch die familiären Rollen. Die Funktion der Elterngeneration, Wissen und Erfahrung an die Jüngeren zu vermitteln, endet. Dies kann sich auch auf die familiäre Rolle übertragen und ein Gefühl der Nutzlosigkeit und Entbehrlichkeit bei den Eltern auslösen. Um sich davor zu schützen wird der notwendige Generationswechsel so lange wie möglich hinausgeschoben und verdrängt. Die Kinder reagieren auf das Festklammern am Chefsessel mit Enttäuschung und Wut gegenüber den Eltern, ihnen die Führungsrolle nicht zuzutrauen. Dadurch fühlen sich die Älteren darin bestätigt, die Kinder seien noch nicht in der Lage, die Führungsrolle zu übernehmen. Ein Teufelskreis, das dem Unternehmen erheblich schaden kann. Sowohl das Unternehmen als auch der Familienverbund sollte sich deshalb frühzeitig mit dem Thema Generationswechsel auseinandersetzen. Welche gegenseitigen Erwartungen haben Eltern und Kinder aus ihrer Unternehmerrolle und als Familienteile aneinander? Welche Werte sind dem Senior wichtig, die die Filia-Chefin weiterleben sollte? Kann/soll/darf die Mutter noch eine Funktion im Unternehmen ausfüllen? Bei der Verständigung über die Art und Weise der Nachfolge ist die Begleitung durch einen Mediator ratsam. Er trägt z.B. dazu bei, alte Kommunikationsmuster und Diskussionsschleifen zu durchbrechen und regt die Beteiligten an, sich mit ihren Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Mit seiner Unterstützung können diskret neue Lösungen gefunden werden, die alle Beteiligten mittragen wollen.
 
Bei Claus Hipp stehen die Chancen auf eine reibungslose Veränderung sehr gut. Im Interview mit der Zeit vom 27.8.2015 nennt er drei wichtige Faktoren für einen gut gelingenden Generationswechsel: Es herrsche eine ehrliche Kommunikation zwischen ihm und seinen Söhnen, er empfinde Freude an der Abgabe der Führungsverantwortung und beide Generationen teilen dieselben Unternehmenswerte.

Unterschiede zwischen Coaching und Beratung

Ein Rechtsanwalt ist ein klassischer Berater. Er besitzt nach langem Studium ein Expertenwissen, das er gegen eine Vergütung seinen Kunden zur Verfügung stellt. Der Anwalt gibt ihm (Rechts)rat, und löst so seine Probleme oder bewahrt ihn vor Schaden. Er ist zuständig für den Inhalt. Der Berater hat im Gegensatz zum Coach nicht die Aufgabe, dem Kunden sein Wissen zu vermitteln, damit er sich in Zukunft selbst helfen kann. Hingegen motiviert ein Coach seinen Kunden dazu, selbstständig nach neuen Lösungen für seine Probleme zu suchen. Dies macht der Coach mit seinem Wissen an Frage- oder Interventionstechniken. Er ist zuständig für den Prozess der Problembearbeitung. Dieselbe Aufgabe wie ein Coach hat auch der Mediator.

Unterschiede aufzeigen: Der Mediator ist kein Schlichter!

Mediation scheint mittlerweile in Deutschland bekannt zu sein. Immer häufiger benutzen Journalisten den Begriff ohne weitere Erklärungen, um moderierende oder befriedende Tätigkeiten zu beschreiben. Unbekannt scheinen den Zeitungsmachern aber die Unterschiede zwischen Mediation und Schlichtung zu sein.* Beide Tätigkeiten werden häufig synonym verwendet, dabei schließen sie sich aus. Diese Unsauberkeit dient nicht der Verbreitung der korrekten Vorstellung eines Mediators in der Bevölkerung. Deshalb hier zwei wesentliche Unterscheidungsmerkmale zwischen einem Mediator und einem Schlichter:

  • Grundsätzlich macht ein Mediator im Gegensatz zum Schlichter keine eigenen Lösungsvorschläge.
  • Er braucht eigentlich auch keine inhaltlichen Fachkenntnisse über den Konfliktstoff (oft bevorzugen die Konfliktparteien aber einen Mediator mit Fachexpertise).
  • Der Schlichter besitzt für gewöhnlich Fachwissen, um den streitenden Parteien einen fachlich weisen Lösungsvorschlag unterbreiten zu können.
  • (*Der Beitrag über den Abbruch der wissenschaftlichen Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Raum der Kirche durch Prof. Christian Pfeiffer spricht von einer „Mediation unter Leitung eines von beiden Seiten anerkannten Schlichters“ und der dann unterzeichneten „Mediationsvereinbarung“. Quelle: FAZ vom 17.01.2013)

    Wir haben ein Mediationsgesetz!

    Gestern hat das Mediationsgesetz die letzte Lesung im Bundestag passiert. In der Schlussabstimmung stimmten alle Fraktionen (!) für den Entwurf. Nun geht es in den Bundesrat, so dass es voraussichtlich im Frühjahr 2012 in Kraft treten wird.

    Hier die wesentlichen Punkte, die das Gesetz regeln wird:
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    ZEIT online: Mediator ist „Beruf der Woche“

    Gleich zwei Zeitungen beschäftigen sich diese Woche mit dem Thema Mediation: Der Tagesspiegel informiert seine Leser im Wirtschaftsteil vom 8.5.11 über die wichtigsten Ziele des in diesem Jahr in Kraft tretenden Mediationsgesetzes. („Damit der Knoten platzt“.)
    ZEIT online macht den Mediator gar zum „Beruf der Woche“ und erläutert Aufgaben, berufliche Voraussetzungen und Qualitätskriterien für die Tätigkeit als Mediator.
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